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400 Meter im Gewitter

DHM Karate 2009

Tübingen. 150 Karateka kämpften am Samstag in der Tübinger Universitätssporthalle um die Deutschen Hochschulmeistertitel. Die Gastgeber stellten mit zwei Gold- und drei Silbermedaillen die erfolgreichste Hochschule.

Langsam betritt Kenichi Sato, Karatekämpfer der Fachhochschule Kaiserslautern, die Kampffläche. Zunächst rührt Sato mit seinem großen Zeh vorsichtig auf dem Boden, als taste er sich durch ein Scherbenfeld.


Bedächtig schiebt er einen imaginären Vorhang mit seinen Händen zur Seite. Es ist wie die trügerische Ruhe in einem Gewitter. Dann explodiert Sato. Blitzartig zucken seine Arme nach vorne, so schnell, dass der Mantel, in dem sie stecken, gar nicht hinterherkommt. Wie ein Peitschenknall vibriert der Mantel in der Luft. Sato schreit, der Donnergroll nach dem Blitz – gefolgt von trügerischer Stille.

Kata nennt sich die Wettkampfform, die Kenichi Sato am Samstag in der Tübinger Universitätssporthalle Tübingen zeigte. Kata ist ein Ausdruckskampf eines einzelnen Kämpfers. Explosiv, dynamisch und präzise muss der Athlet dabei seine Techniken vorführen. Sato gelang das am besten, er sicherte sich souverän den Titel des Deutschen Hochschulmeisters. Oder besser: er entfachte das intensivste Gewitter. „Ein schöner Abschluss bei meiner letzten DHM“, sagte Sato mit einem Lächeln und jeder Menge Schweißperlen auf der Stirn. Die schnellkräftige, zweiminütige Kata-Kür hatte Spuren hinterlassen. „Wie nach einem 400-Meter-Lauf“, bestätigte Sato.

Sato wurde für seine Mühen bei der Siegerehrung belohnt, er erhielt großen Applaus von den 250 Zuschauern. Größer war der Jubel nur, als die Athleten der Universität Tübingen ausgerufen wurden. Sonja Ulmer, Frank Dietrich und das Mixed-Team belegten in ihren Kata-Klassen jeweils Rang zwei. Luisa Merkle und Linda Marie Kerner jubelten im Kumite, einem direkten Kampf zwischen zwei Karateka, gar über den Titel. Die Organisatoren freuten sich derweil über den Ablauf der Veranstaltung und den Zuschauerzuspruch: „Wir haben uns in Tübingen sehr gut aufgehoben gefühlt“, attestierte Nico Sperle, Vorstandsvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbands, den Organisatoren.

Weniger Anlass zur Freude hatten die männlichen Tübinger Kumite-Kämpfer, die den erhofften Podestplatz verfehlten. Till Schäberle, aussichtsreichster Tübinger Starter, scheiterte in seiner Gewichtsklasse im Viertelfinale. Da nutzten auch die Ratschläge von dem verletzten Tübinger Karateka und mehrfachem Deutschen Meister Felix Kühnle nichts. Enttäuscht schnallte sich Schäberle nach seinem Aus die Schienbeinschoner ab. „Ich habe mich nicht genug an den Gegner rangearbeitet“, analysierte er. In der Mannschaftswertung war die WG Saarbrücken den Tübingern schon in der ersten Runde überlegen. Besser machte es der Tübinger Kumite-Kämpfer David Merz. Nach zwei kräftigen Nasenstübern und einer knappe Niederlage im Auftaktkampf entschied Merz die nächsten drei Duelle für sich. Erst im Kampf um die Bronzemedaille gab er sich geschlagen.

Nach Wettkampfende ereilte alle Tübinger Teilnehmer doch noch eine gute Nachricht. In der Addition aller Wettbewerbe schnitten die Gastgeber am besten ab und sicherten sich somit den Wanderpokal für die beste Hochschule. Ein letztes Mal ertönten die Siegerschreie – dann legte sich die Stille endgültig über die Sporthalle.
Die Ergebnisse:
Kata, Unterstufe: Einzel Frauen: 1. Sabine Engelmann (TU Chemnitz), 2. Sonja Ulmer (Uni Tübingen); Einzel Unterstufe Männer: 1. Michael Schneider (Uni Bochum), 2. Frank Dietrich (Uni Tübingen); Mannschaft: 1. Uni Bochum, 2. Uni Tübingen; Oberstufe: Einzel Frauen: 1. Franziska Krieg (Uni Erfurt); Einzel Männer: 1. Kenichi Sato (FH Kaiserslautern); Mannschaft: 1. Uni Bonn.
Kumite, Unterstufe: Einzel Frauen: 1. Silke Götz (Uni Bochum); Einzel Männer: 1. Eric Ghomsi (WG Göttingen); Oberstufe: Einzel Frauen bis 55 Kilogramm: 1. Luisa Merkle (Uni Tübingen); Frauen bis 61 kg: Bernanda Bilic (DHBW Mannheim); Frauen bis 68 kg: Linda Marie Kerner (Uni Tübingen); Frauen über 68 kg: 1. Katrin Faust (Fernuni Hagen); Einzel Männer bis 60 kg: 1. Matthias Lindel (WG Weingarten); Männer bis 67 kg: 1. Dennis Chnykin (Uni Kassel); Männer bis 75 kg: 1. Andre Beck (Uni Jena); Männer bis 84 kg: 1. Heinrich Leistenschneider (WG Regensburg); Männer über 84 kg: 1. Hugo Soares (WG Saarbrücken); offene Klasse Frauen: 1. Lydia Holler (Uni Leipzig); offene Klasse Herren: 1. Alexander Lang (WG Göttingen); Mannschaft: 1. WG Saarbrücken.
Gesamtwertung: 1. Uni Tübingen, 2. Uni Bochum, 3. WG Saarbrücken.

Kontakt:

Johannes Knuth
Ressort PR und Öffentlichkeitsarbeit DHM Karate 2009
Mobil: 0174/14 22 677, Festnetz: 07 0 71/79 10 29
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


 

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