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Kali

Kali ist der Name einer umfassenden philippinischen, auf Waffenkampf basierenden Kampfkunst, verwandt mit Eskrima und Arnis. Kali konnte sich jedoch die traditionelle Klingenorientierung (Messer/Schwert) über die Kolonialzeit hinaus bewahren. Die philosophische Grundlage ist lebensbejahend; es wird nicht trainiert, um Gesundheit und Leben zu zerstören, sondern um das eigene Leben und das Leben der Familie und Freunde zu schützen.
Der Angreifer wird als benachteiligt angesehen. Obwohl beim Kali alle Kampfdistanzen abgedeckt werden, wird besonderer Wert auf den Nahkampf gelegt. Es gibt keine Blocktechniken. Die Abwehr eines Angriffs ist immer offensiv, d.h. das ein Angriff durch einen Gegenangriff abgewehrt wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Kampfkunstarten diente das Kali in seiner Entstehungszeit dem Überleben der philippinischen Einwohner, daher wird Kali oft nicht als Kampfkunst verstanden, sondern als die Kunst einen (bewaffneten) Kampf zu Überleben.

1 Begriffserklärung

Woher der Name Kali stammt, ist nicht eindeutig bewiesen. Dan Inosanto (Trainingspartner und Schüler von Bruce Lee) führte den Begriff auf die malayische Sprache zurück. Dort heißt die Kampfkunst KAhmot und LIhot und bedeutet: "Bewegung der Hände und des Körpers". Möglich wäre jedoch auch, dass die Kampfkunst nach der indischen Göttin Kali, der Göttin für Tod und Zerstörung, benannt wurde. Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Name durch das philippinische Wort "Kalis" entstand, welches eine schneidende Waffe beschreibt.

2 Entstehungsgebiet

Die Philippinen sind eine Inselgruppe, die mehr als 7000 Inseln umfasst. Auf vielen dieser Inseln werden verschiedene Sprachen (nicht verschiedene Dialekte) gesprochen. Aufgrund der räumlichen Trennung und der Sprachbarrieren (in der Vergangenheit) haben sich wohl die verschiedenen Kali, Arnis und Eskrima Stile gebildet. Grob könnte man Kali dem südlichen Teil, Eskrima dem zentralen teil und Arnis dem nördlichen Teil der Philippinen zuordnen. Die Stile ähneln sich grob, doch haben sich die verschiedenen Stile unterschiedlich entwickelt. So haben manche Stile mehr oder weniger Bezug zu Klingenwaffen oder zu Stöcken. Im Kali ist der Klingenbezug stark ausgeprägt, im Eskrima eher der Bezug zu Stöcken.

3 Philosophie

Im Bezug auf die Philosophie ist Kali wohl eher eine Ausnahme unter den Kampfkünsten. Der Weg des Kali ist lebensbejahend. Im Kali glaubt man an Erfolg, nicht an Misserfolg, man glaubt an Gesundheit, nicht an Krankheit oder Schmerz und an das Leben, nicht an den Tod. Auch wird Kali nicht trainiert um die Gesundheit oder das Leben anderer zu zerstören, sondern um das eigene Leben, das Leben der Familie oder das von Freunden zu schützen.

4 Kampf-/Bewegungsart

Von Anfang an zentral ist die aktive Verteidigung gegen Hieb- und Stichwaffen (insbesondere Messer und Schwert), ein- oder zweihändig, und waffenloser Kampf. Im Kali wird immer davon ausgegangen, dass der Angreifer eine Klingenwaffe führt, auch wenn man diese nicht sehen kann. Dementsprechend konsequent und hart wird der Angriff abgewehrt und der Angreifer schnellstmöglich kampfunfähig gemacht. Die Bewegungsmuster sind mit und ohne Waffe gleich (Prinzip der Vielfältigkeit), was die Verinnerlichung bei Anfängern beschleunigt und bei Fortgeschrittenen intensiviert. Das Besondere an der Bewegungsart ist, dass sich die Fortgeschrittenen so schnell und wendig mit ihrem Stock bewegen, dass der Gegner kaum mit seiner Waffe nachkommt. Intuitive, nur mäßig modifizierte Alltagsbewegungen werden gegenüber künstlichen Bewegungen bevorzugt, um auch in extremen Streßsituationen handlungsfähig zu bleiben. Daher verzichtet Kali auf die perfekte Ausführung einer Technik, was zählt ist die Effektivität. Manche Techniken sehen dadurch für den äußeren Betrachter nicht unbedingt ästhetisch, sondern ungewöhnlich aus. Das vorherrschende Kampfprinzip ist die taktisch-strategische Anwendung des direkten Gegenangriffs zur Verteidigung, d.h. Abwehr und Gegenangriff erfolgen in einer Bewegung ähnlich der Riposte. Der Angriff bzw. Gegenangriff wird direkt, schnell und offensiv ausgeführt.

5 Inhalte des Kali

Kali ist nicht nur eine umfangreiche Kampfkunst, es ist ein abgeschlossenes System. Während bei vielen anderen Kampfkunstarten oder Kampfsportarten auf verschiedene Inhalte verzichtet wird (z. B. Bodenkampf beim Kickboxen, Distanzkampf beim Ringen, etc.), beinhaltet Kali Techniken für alle Distanzen und Angriffsformen. Kali gliedert sich grob aus folgenden Inhalten:

• Doppelstock - Vor allem zur Förderung der koordinativen Fähigkeiten. Grundvorraussetzung für viele weitere Techniken.

• Stock - Bekannteste Waffe der philippinischen Kampfkunstarten. Nachdem der Umgang mit dem Stock erlernt wurde, kann das Bewegungsmuster auf andere Gegenstände übertragen werden. Der Stock kann aus verschiedenen Materialien bestehen (z. B. Rattan) und wird in unterschiedlichen Längen gebraucht.

• Messer(Dolch) - Der Klingenbezug ist im Kali stark ausgeprägt. Bei jedem Angriff wird im Kali davon ausgegangen, dass der Angreifer ein Messer führt, auch wenn man es nicht sehen kann. Dementsprechend wird der Angriff abgewehrt.

• Zwei Messer(Dolche) - Die Bewegungsabläufe mit zwei Messern entsprechen denen von zwei Stöcken. Allerdings werden hierbei auch Scherentechniken gebraucht, deren Ziel es ist den Angreifer mit einer Klinge zu schneiden und sich mit der anderen zu schützen und zu sichern.

• Machete/Kurzschwert - Ein wichtiges Werkzeug der Filipinos, schnell auch als Waffe einsetzbar.

• Zwei Macheten/Schwerter - Das Prinzip ist auch hier wieder gleich wie beim Doppelstock. Man nimmt an, dass hier Techniken des thailändischen Waffenkampfsystems Krabi Krabong Einfluss genommen haben.

• Stock und Messer - Espada y Daga heißt diese Methode. Dabei wird der Stock in die rechte und das Messer in die linke Hand genommen.

• Philippinisches Boxen - Unter Panantukan versteht man das philippinische Boxen ohne Regeln, welches jedoch nicht gleich dem westlichen Boxen ist.

• Sikaran/Pananjakman - Die beiden Kampfmethoden sind in etwa mit dem Kickboxen oder dem Muay Thai vergleichbar. Sie bestehen zum Großteil aus Tritttechniken in weiter Distanz. In der Mittel- bzw. Nahdistanz, kommen eher Knietechniken zum Einsatz.

• Dumog - Als Dumog (auch Buno) wird das Ringen in den philippinischen Kampfkünsten bezeichnet. Unterschieden werden das Ringen im Stehen und der Bodenkampf. Dumog zeichnet sich dadurch aus, das eine Vielzahl der Techniken mit Waffen und auch ohne Waffen eingesetzt werden kann.

In den letzten Jahrhunderten hat sich Kali durch den Einfluß der Kolonialmächte (Spanien und Amerika), aber auch durch den Einfluß der Indonesier, Chinesen und Japaner weiterentwickelt. Die Vorteile des Systems sind vor allem, die einfachen und effektiven Techniken, die kurzen Vorbereitungsbewegungen, die flüssigen Bewegungen, die Umsetzbarkeit der Techniken mit anderen Waffen und Gegenständen, die Ausnutzung der gegnerischen Kraft, die Gleichheit der Bewegungsabläufe, egal ob Empty Hand (Waffenlos) oder mit diversen Waffen, u.v.m.

6 Training

Auf gesunde Bewegungen und freund(schaft)liche, gute Atmosphäre wird meist großer Wert gelegt. Geschwindigkeit, Timing und Überblick trainiert man mit Drills – Partnerübungen, deren Ende wieder die Ausgangssituation ist, die also einen Kreislauf ohne Unterbrechungen darstellen, und daher in kurzer Zeit viele Wiederholungen erlauben. Nicht selten steigt die Geschwindigkeit kontinuierlich an, teilweise werden aufmerksam-meditative Zustände erreicht. Bei zweihändiger Waffennutzung übt sich die Koordination ungemein gut. Links und rechts stehen gleichberechtigt nebeneinander.

7 Sonstiges

Traditionell gibt es keine Gürtel wie bei Budo-Sportarten. Zur Motivation der Schüler und um Gruppen besser nach Leistungsständen einteilen zu können, haben auch in machen Kali-Stilen Graduierungen Einzug gehalten, meist kenntlich gemacht durch unterschiedliche T-Shirt-Farben oder Streifen an den Hosen. Die meisten Stile sind nicht wettkampforientiert; dementsprechend werden keine Turniere veranstaltet. Stile, die Stockkampf-Wettkämpfe durchführen, tragen entsprechend Schutzkleidung, um Verletzungen auszuschließen. Kali-Schulen sind, im Vergleich zu denen anderer Kampfkünste, noch sehr dünn gesät. Die Kraft beim Schwert-/Stockkampf kommt aus dem ganzen Körper, nicht dem Arm oder Handgelenk, d.h. man muss nicht überdurchschnittlich kräftig sein, um auch zwei bis drei Stunden Training durchzuhalten.


8 Stile

Es gibt unter den drei Begriffsgruppen Kali, Arnis und Eskrima eine große Anzahl von verschiedenen Systemen und Stilarten.

Beim Kali sind dies u.a. folgende:

* Pekiti-Tirsia Kali
* Inosanto Kali
* Kali Sikaran
* Sayoc Kali

Im Eskrima gibt es u.a. folgende Stilarten:

* Latosa Escrima
* Lameco Escrima
* Warriors Eskrima
* Inayan Eskrima
* Visayan Escrima
* Giron Arnis Escrima
* Giron Arnis Escrima
* Cabales Serrada Eskrima
* Doce Pares Eskrima

Im Arnis gibt es u.a. folgende Stilarten:

* Modern Arnis
* Balintawak Arnis

Dieser Artikel und darin enthalteneu Bilder basieren auf dem Artikel Kali aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
 

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